Schwarz hat seit jeher Emotionen und Kontroversen ausgelöst. In der Geschichte symbolisierte es sowohl Sünde, Hölle und Trauer als auch Demut, Würde, Autorität und höchsten Luxus. Wie Michel Pastoureau in seinem Buch „Black: The History of a Color“ feststellt:
„Ein Historiker, ebenso wie ein Physiker, muss sich die Frage stellen: Wie viel Schwarz steckt im Schwarz? Für einen Färber des 16. Jahrhunderts gab es Dutzende von Schattierungen: Rußschwarz, Weinschwarz, Eichenschwarz. Jede hatte eine eigene Symbolik und einen eigenen Preis.“
Vom Farbton der Entsagung zur Farbe der Elite
Pastoureau weist auf ein faszinierendes historisches Paradox hin: Für einen Physiker ist Schwarz die reine Absorption von Licht, während es für einen mittelalterlichen Mönch oder Richter die „Farbe der Entsagung“ und Bescheidenheit war. Ende des 14. Jahrhunderts wurde Schwarz jedoch zur Farbe der Elite. Die Herzöge von Burgund und bald ganz Europa trugen Schwarz, um ihre Ernsthaftigkeit, Tugend und ihren Reichtum zu zeigen.
Es handelte sich um ein „edles Schwarz“, das damals äußerst schwer zu erzielen war. Um einen tiefen, glänzenden Ton zu erhalten, benötigte man teure Rohstoffe wie Eichen-Galläpfel. Das Färben in Schwarz war daher einer der teuersten Prozesse – sogar teurer als das Erreichen des königlichen Purpurs.
Das absolute Schwarz im 20. Jahrhundert
Im 20. Jahrhundert wurde Schwarz zu einer radikalen Farbe: Einerseits steht es für Eleganz und Luxus (die berühmte „kleine Schwarze“ von Chanel), andererseits für Rebellion, Anarchie und Subkultur.
Pastoureau schreibt:
„Schwarz will nichts mehr darstellen; Schwarz will das Absolute sein.“
Heute ist Schwarz im Druck weiterhin Gegenstand lebhafter Diskussionen. Wichtig ist zu wissen, dass das „beste“ Schwarz nicht immer das tiefste bedeutet – manchmal vermittelt ein sanfter, zurückhaltender Schwarzton die künstlerische Vision am besten.
Praxis im Druck: So gelingt perfektes Schwarz
Aus der Erfahrung unserer Druckerei haben wir einige Grundregeln zusammengestellt, die helfen, Schwarz zu kontrollieren und technische Probleme zu vermeiden:
Rich Black – für große Flächen und Hintergründe
Reines K=100% Schwarz wirkt auf großen Flächen oft blass. Um Tiefe zu erzeugen, mischen wir es mit anderen Farben:
Standard: C=40%, M=30%, Y=30%, K=100%
Kühl: C=60%, M=40%, Y=40%, K=100%
Designer Black: C=70%, M=50%, Y=30%, K=100%
(Hinweis: Der sichere Farbauftrag (TIC) für die meisten Materialien liegt bei 240–300%)

Kleine Texte (unter 10–12 pt)
Hier verwenden wir ausschließlich K=100%, um sogenannte „Farbsaum-Effekte“ zu vermeiden und die Lesbarkeit zu gewährleisten.Overprint Black (Durchdruck)
Stellen Sie sicher, dass Schwarz als Überdruck eingestellt ist. So werden weiße Zwischenräume („Glühen“) an den Rändern schwarzer Objekte, die an andere Farben grenzen, vermieden.
Die Wahl des richtigen Schwarztons ist eine Hommage an das Handwerk, das seit Jahrhunderten versucht, Licht in Materie einzuschließen. Egal, ob Sie das edle Schwarz des Burgunderhofs oder eine moderne, klare Variante suchen – Präzision und technisches Verständnis sind der Schlüssel zum Erfolg.
Aleksandra Dziech